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Psychologisches Institut Entwicklungspsychologie: Erwachsenenalter

Kann man seine Sünden wegwaschen?

von Dipl.-Psych. Maida Mustafic

Können Sie sich vorstellen, dass der Wunsch, moralisch «rein» zu sein, auch das Bedürfnis erzeugt, seinen Körper zu waschen? Und dass das Waschen auch tatsächlich hilft, positive Gefühle und ein gutes Gewissen wiederherzustellen? Genau das fanden die Forscher Chen-Bo Zhong und Katie Liljenquist von den Universitäten Toronto und Northwestern in ihren Studien. In der ersten Studie zeigten sie, dass Studienteilnehmende, die erst an eine umoralische Handlung aus ihrer Vergangenheit denken und daraufhin Wörter vervollständigen sollten, diese Wörter eher so ergänzten, dass sie mit Waschen zu tun hatten. So wurde beispielsweise «Se…» zu «Seife» ergänzt. Bei Personen, die sich an eine moralische Handlung aus ihrer Vergangenheit erinnert hatten, war dies nicht der Fall. Zudem bevorzugten Personen, die sich eine unmoralische Handlung ins Gedächtnis gerufen hatten, als Entschädigungsgeschenk eher ein Desinfektionstuch als einen Kugelschreiber.

Die Forscher nehmen an, dass das Waschen zur Wiederherstellung des so genannten moralischen Selbst beiträgt, wenn keine andere Handlung zur Verfügung steht. Wenn das Waschen und sich Reinigen tatsächlich dazu führt, das «moralische Selbst» nach einer unmoralischen Handlung wiederherzustellen, dann sollten andere Kompensationsstrategien – wie eine ausgleichende moralische Handlung – nicht mehr notwendig sein, nachdem man sich waschen oder den Körper reinigen konnte. Dies konnten die Forscher in ihrem zweiten Experiment belegen. Genau wie in der ersten Studie wurden Personen entweder gebeten, sich an eine moralische oder unmoralische Handlung aus der eigenen Vergangenheit zu erinnern. Diejenigen, die anschliessend ihre Hände mit einem Desinfektionstuch reinigten, zeigten weniger Hilfsbereitschaft als Personen, die sich ihre Hände nicht reinigen konnten. Der Ausgleich der unmoralischen Handlung war also bei der einen Gruppe auf der symbolischen Ebene des Waschens und der körperlichen Reinigung bereits vollzogen, während die zweite Gruppe ihr «moralisches Selbst» durch die Hilfsbereitschaft wiederherstellen mussten.

Das Waschen der Hände scheint also eine Wiederherstellung des guten Gewissens nach moralischen Übertretungen zu sein. In Anlehnung an Shakespeares Lady Macbeth, die versuchte, ihre Hände nach dem Mord an König Duncan rein zu waschen, nennen die Forscher diesen Effekt den Macbeth-Effekt.


Quelle: Zhong, C.-B. & Liljenquist, K. (2006). Washing away your sins: Threatened morality and physical cleansing. Science, 313, 1451–1452.

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