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Linke Hand, rechte Hemisphere?

von Jasmin Brummer

Mit welcher Hand putzen Sie sich üblicherweise die Zähne? Wenn es die Rechte ist, dann gehören Sie zu einer 90%igen Mehrheit. Aber wie kommt es, dass weltweit trotzdem rund 10% aller Kinder bei den ersten Schreibversuchen den Stift mit der linken Hand ergreifen?

Die Antwort liegt in der Struktur unseres Gehirns. Zwar wirken unsere beiden Hemisphären auf den ersten Blick fast spiegelsymmetrisch, doch bei genauerer Betrachtung gibt es einige wesentliche Unterschiede zwischen den beiden Hirnhälften. Hirnforschende können dies zum Beispiel durch funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRI) sichtbar machen. Hierdurch lässt sich erkennen, welche Areale des Gehirns bei bestimmten Aufgaben besonders gut durchblutet werden, sprich besonders aktiv sind. Die Forschenden Joliot, Tzourio-Mazoyer und Mazoyer (2016) von der Universität Bordeaux haben sich diese Technik zu Nutze gemacht um bei Rechts- und Linkshändigen die Hirnaktivität im Ruhezustand und bei der Sprachproduktion zu analysieren. Bei den meisten Rechtshändigen zeigte sich deutlich mehr Aktivität in der linken Hirnhälfte, was auf eine Asymmetrie der Hemisphären hinweist. Bei Linkshändigen hingegen zeigte sich ein komplexeres Bild. Zwar war auch hier bei vielen die linke Hälfte beim Sprechen aktiver, doch gab es deutlich mehr Linkshändige mit rechtsseitiger oder sogar beidseitiger Dominanz der Gehirnhälften bei der Sprachproduktion.

Was bedeutet das nun in der Praxis? Das ist schwierig zu sagen, nicht zuletzt da es bei Linkshändigen viel Variabilität gibt. Um Linkshändigkeit ranken sich viele Mythen. Auf der einen Seite waren überdurchschnittlich viele US Präsidenten linkshändig. Auf der Anderen scheinen Linkshändige auch häufiger an Schizophrenie und anderen psychischen Problemen zu leiden. Inwiefern hier tatsächlich kausale Zusammenhänge bestehen bedarf allerdings noch weiterer Forschung. Sollten Sie jedoch zu den 10% gehören, die sich die Zähne heute Abend mit der linken Hand putzen werden, können Sie eines mit Sicherheit sagen: Ihr Gehirn ist wirklich einzigartig!

 

 

Literatur

Joliot, M., Tzourio-Mazoyer, N., & Mazoyer, B. (2016). Intra-hemispheric intrinsic connectivity asymmetry and its relationships with handedness and language Lateralization. Neuropsychologia, 93, 437–447.
https:// doi.org/10.1016/j.neuropsychologia.2016.03.013

 

 

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