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28. Zürcher Psychotraumatologie-Tagung 2026

Bild ZTPP

 

Ankündigung

Die nächste Zürcher Psychotraumatologie-Tagung findet am
📅 Samstag, 6. Juni 2026, 9-17 Uhr
📍 Universität Zürich, Hauptgebäude (KOL) statt.

 

Wir freuen uns, wenn Sie dabei sind!

 

Thema

Dissoziation bei Traumafolgestörungen: Klinische Herausforderungen und neue Impulse

Dissoziative Phänomene gehören zu den zentralen und gleichzeitig schwierigsten Aspekten der Arbeit mit traumatisierten Menschen. Sie beeinflussen Diagnostik und Therapie und stellen zugleich für Betroffene selbst sowie ihre Angehörigen eine erhebliche Herausforderung im Alltag dar- und fordern uns heraus, neue Wege zu gehen.

Auch die Forschung steht hier zum Teil noch am Anfang: Dissoziation ist nicht nur klinisch, sondern auch wissenschaftlich ein komplexes Phänomen. Zugleich eröffnen aktuelle Studien und neue Ansätze spannende Perspektiven, von denen wiederum die klinische Praxis profitieren kann. Unsere 28. Zürcher Psychotraumatologietagung widmet sich deshalb einem Thema, das Betroffene, Kliniker:innen und Forscher:innen gleichermaßen betrifft – mit dem Ziel, Erfahrungen aus der Praxis und Impulse aus der Forschung in einen fruchtbaren Dialog zu bringen.

 

Sprecher:innen

Wir freuen uns ganz besonders, mit Prof. Dr. Judith Daniels (Universität Groningen) eine international ausgewiesene Expertin als Sprecherin gewonnen zu haben. Sie verbindet ihre langjährige klinisch-psychologisch und psychotherapeutische Expertise mit fundierter Forschung zur Neurobiologie der Dissoziation. In ihrem Vortrag wird sie aufzeigen, welche neuen Perspektiven sich aus diesem Zusammenspiel für die klinische Praxis ergeben.

Als weiteren Hauptreferenten begrüssen wir Dr. Leonhard Kratzer (Klinik St. Irmgard, Prien), leitender klinischer Psychologe und in der Behandlung wie auch in der Entwicklung innovativer Therapien aktiv. Sein besonderes Anliegen ist es, Dissoziation im Alltag der Patient:innen besser zu verstehen und gezielt zu behandeln. Er wird uns einen Überblick über den aktuellen Stand der klinischen Praxis geben und Impulse für die Weiterentwicklung therapeutischer Ansätze setzen.

 

Hauptvorträge

»Körper – Gehirn – Dissoziation: Ein Überblick über die neurobiologischen Befunde zu dissoziativem Erleben«
Prof. Dr. Judith Daniels, Universität Groningen

Kurzbeschreibung
Dissoziative Symptome wie Derealisation und Depersonalisation sind evolutionär angelegt und in jedem menschlichen Organismus auslösbar. Dieser Vortrag gibt einen Überblick über die Forschungsergebnisse der letzten 15 Jahre zu der Frage – wie bekommt unser Organismus das eigentlich hin? Dazu werden neue Erkenntnisse zur Physiologie genauso wie zur Gehirnaktivierung vorgestellt und in Zusammenhang gesetzt.

 

»Dissoziation: Ein transdiagnostischer Ansatz im Kontinuum der Traumafolgestörungen«
Dr. Leonhard Kratzer, Klinik St. Irmgard, Prien

Kurzbeschreibung
Dissoziative Symptome sind hochprävalent und transdiagnostisch bedeutsam. Sie reichen von vergleichsweise milden Phänomenen wie Derealisation und emotionaler Abgestumpftheit bis hin zu komplexen Erscheinungsbildern, die im klinischen Alltag häufig irritieren: Stimmenhören, dissoziative Anfälle, Identitätsveränderungen oder ausgeprägte Amnesien. Gerade im Kontext schwerer Traumafolgestörungen stellen diese Phänomene Behandelnde vor besondere diagnostische und therapeutische Herausforderungen. Die ICD-11 nimmt bei etablierten Diagnosen wie der (komplexen) PTBS nur unspezifisch Bezug auf dissoziative Symptome, und Standardmanuale geben oft nur eingeschränkt Hinweise zum Umgang mit schweren dissoziativen Erscheinungsformen. Für Diagnosen wie die (partielle) dissoziative Identitätsstörung hingegen liegen wiederum nur sehr eingeschränkt belastbare Daten zu Phänomenologie, Epidemiologie, Neurobiologie, Ätiologie und insbesondere Therapie vor. Für Betroffene resultiert daraus oft eine psychiatrische "Drehtür-Behandlung". Trotz des Umstands, dass bei komplexen dissoziativen Störungen nahezu immer auch eine PTBS vorliegt, wird aus Angst vor Dekompensation und angesichts schwerwiegender Symptome und Risiken (z.B. Reviktimisierung, Untergewicht, Substanzgebrauch, Risikosexualität, Selbstverletzung, Suizidversuche) häufig auf eine Leitlinienbehandlung mit Traumakonfrontation verzichtet. Darüber hinaus kann es sehr herausfordernd sein, den zahlreichen Paradoxien und Widersprüchen dissoziativer Störungsbilder angemessen zu begegnen. Dieser Vortrag soll aufzeigen, wie dissoziative Symptome als Schweregradmarker auf einem Kontinuum von Traumafolgestörungen verstanden werden können. Zentrale These ist, dass selbst ausgeprägte Dissoziation kein Hindernis für eine traumafokussierte Psychotherapie darstellt. Es wird erläutert, wie etablierte Multikomponentenbehandlungen durch punktuelle Anpassungen so modifiziert werden können, dass eine Verarbeitung traumatischer Erinnerungen im Rahmen eines sicheren therapeutischen Arbeitsbündnisses möglich wird. Ziel dabei ist es, Befunde aus der Grundlagenforschung und evidenzbasierte Interventionen zu nutzen, um Betroffenen professionell, wirksam und würdevoll zu begegnen.

 

Praxisorientierte Workshops

Neben den Hauptvorträgen erwarten Sie 5-6 praxisorientierte Workshops, in denen zentrale Fragen vertieft werden – etwa:

  • Dissoziation im Alltag von Patient:innen erkennen und behandeln
  • Diagnostik und therapeutische Zugänge bei dissoziativen Symptomen
  • Neue klinische und wissenschaftliche Perspektiven auf Dissoziation

 

An der 28.  Zürcher Psychotraumatologie-Tagung werden folgende Workshops angeboten:

»Wie verhindere ich eine Sekundäre Traumatisierung? Risiko- und Schutzfaktoren in der Arbeit mit traumatisierten KlientInnen«
Prof. Dr. Judith Daniels, Universität Groningen

Kurzbeschreibung
Sekundäre Traumatisierung, d.h. das Erleben PTBS-ähnlicher Symptome, ist ein Berufsrisiko in der therapeutischen Arbeiten mit traumatisierten KlientInnen. Dieser Workshop soll Wissen über Risiko- und Schutzfaktoren vermitteln und einen Rahmen bieten, um die eigenen Reaktionen auf Traumamaterial zu untersuchen.

Dazu werden wir uns über Strategien austauschen, die sich bereits als hilfreich erwiesen haben und uns neuere Forschungsergebnisse zu möglichen Risikofaktoren anschauen. Ziel ist es, seine eignen Reaktionen zukünftig besser beobachten und einschätzen zu lernen.

 

»Scham und Schuld in der traumafokussierten Psychotherapie der kPTBS nach sexualisierter Gewalt in der Kindheit«
Dr. Leonhard Kratzer, Klinik St. Irmgard, Prien

Kurzbeschreibung
Klassische Modelle der PTBS fokussieren primär auf konditionierte Furchtreaktionen und eine traumatisch induzierte Gedächtnisstörung. Neuere theoretische Ansätze, wie die Memory and Identity Theory, rücken hingegen in den Fokus, dass bei komplexer PTBS tiefgreifende Veränderungen des Selbstbildes und traumatische Identitäten entstehen, die maßgeblich für die Symptome der Störungen der Selbstorganisation (DSO) verantwortlich sind. Dieser Umstand macht es erforderlich, den Blick über das klassische Verteidigungskaskadenmodell (Fight/Flight/Freeze) hinaus zu erweitern. Um im Kontext sexualisierter Gewalt zu überleben, müssen Kinder hochkomplexe soziale Anpassungsleistungen erbringen: Tend-and-Befriend, Appeasement, Unterwerfung oder Identifikation mit dem Aggressor. Betroffene interpretieren diese überlebensnotwendigen Strategien retrospektiv häufig als Ausdruck von Verdorbenheit, Schuld, Ekel oder Verrat am eigenen Selbst, was zu chronischer Scham, Schuld und internalisiertem Stigma führen kann. Auch Erfahrungen von Vernachlässigung, Beschämung und Lieblosigkeit, die für die Entstehung der kPTBS von zentraler Bedeutung sind, werden noch immer häufig unterschätzt. Dieser Workshop soll vermitteln, wie das Verständnis komplexer Anpassungsleistungen genutzt werden kann, um therapeutische Blockaden zu lösen. Ziel ist es, Behandler:innen Strategien an die Hand zu geben, um die tiefe Scham und Schuld, wie sie die komplexe PTBS charakterisieren, wirksam adressieren zu können.

 

»Kunsttherapeutische Ansätze bei Dissoziation«
Joëlle Allet, Kunsttherapeutin, Integrierte Psychiatrie Winterthur (ipw)

 

»Körper- und bewegungstherapeutische Ansätze zur Begleitung und Überwindung von Dissoziationen«
Eva Kessler, Bewegungstherapeutin, Integrierte Psychiatrie Winterthur (ipw)

 

»Skillsvermittlung zur Kontrolle dissoziativer Symptome – Tipps und Tricks für den klinischen Alltag«
Dr. med. Hanne Scheerer und Dr. med. Linda Schäkel, Psychiatrische Universitätsklinik Zürich (PUK)

 

Das Programm wird laufend ergänzt.

 

Die Zürcher Psychotraumatologie-Tagung versteht sich seit jeher als Ort des lebendigen Austauschs zwischen Klinikern, sowie zwischen Klinik und Forschung. Wir möchten Sie herzlich einladen, Teil dieses Dialogs zu sein, voneinander zu lernen und gemeinsam neue Wege im Verständnis und in der Behandlung von Dissoziation zu beschreiten.

Wir freuen uns sehr auf Ihre Teilnahme, die Begegnungen vor Ort und den inspirierenden Austausch mit Ihnen!

Jochen Binder, Birgit Kleim, Naser Morina

 

Infos zu den Sprecher:innen

Foto Judith Daniels
Foto Judith Daniels

Prof. Dr. Judith Daniels ist Professorin für Klinische Psychologie an der Universität Groningen. Seit vielen Jahren forscht und publiziert sie zu den neurobiologischen Grundlagen von Dissoziation und deren Bedeutung für Gedächtnisprozesse, Emotion und therapeutische Behandlung. Ihre Arbeiten verbinden klinische Relevanz mit innovativer Forschung und machen sie zu einer international führenden Stimme im Feld der Psychotraumatologie.

 

Foto Leonhard Kratzer

Dr. Leonhard Kratzer ist leitender Klinischer Psychologe und Psychotherapeut mit ausgewiesener Expertise in der Behandlung von Traumafolgestörungen. Er engagiert sich in der Entwicklung und Umsetzung neuer Therapiekonzepte und setzt sich dafür ein, Dissoziation im Alltag von Patient:innen besser zu verstehen und wirksamer behandeln zu können. Durch seine enge Anbindung an die klinische Praxis bringt er eine hochaktuelle Perspektive für Therapeut:innen und Forschende gleichermassen ein.

 

Tagungsort
Universität Zürich
Hauptgebäude (KOL)
Rämistrasse 71
8006 Zürich

 

Anreise
Das Hauptgebäude der Universität Zürich liegt zentral und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar:

  • Ab Zürich HB mit Tram Nr. 6 oder 10 bis Haltestelle „ETH/Universitätsspital“ (ca. 5 Minuten Fahrzeit). Von dort sind es nur wenige Gehminuten zum Haupteingang.

Wir empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, da Parkplätze im Zentrum von Zürich nur sehr begrenzt verfügbar sind.

 

Anmeldung

Das detaillierte Programm sowie die Anmeldung werden in den kommenden Wochen freigeschaltet. Schauen Sie gerne bald wieder vorbei – wir halten Sie hier auf dem Laufenden.

 

Credits

Das Tagungsprogramm wird von folgenden Fachgesellschaften anerkannt:

ASP (5 Credits)
FSP (beantragt)
SAPPM (6 Credits)  
SBAP (7 Credits)
SGAIM (als erweiterte Fortbildung anrechenbar)
SGKJPP/FMPP (beantragt)
SGPP (6 Credits)
SVKP/ASPC (6 Credits)

 

Zur Tagung

Die Zürcher Psychotraumatologie-Tagung hat eine lange Tradition: Sie wurde 1998 von Prof. Ueli Schnyder ins Leben gerufen und wird heute gemeinsam von der UZH und der PUK, dem USZ und der IPW getragen. Unter der Leitung von Dr. Jochen Binder, Prof. Birgit Kleim und PD Dr. Naser Morina bringt sie Kliniker:innen aus Zürich und weit darüber hinaus zusammen. Seit jeher ist sie ein Forum für den Austausch zur Behandlung von Traumafolgestörungen, für wichtige Impulse und für die Vernetzung im klinischen Alltag. Zugleich bemühen wir uns, neue Forschungsergebnisse verständlich aufzubereiten und in den Dialog zwischen Klinik und Forschung einzubringen – mit dem Ziel, die bestmögliche Behandlung für Patient:innen mit Traumafolgestörungen zu fördern.

Weiterführende Informationen